Ein normaler Ausgabe-Tag im Overather Tafel-Haus

 

„Was machen Sie denn schon hier? Es ist doch erst 9 Uhr!“ bekommt ein Tafel-Fahrer von einem Passanten zu hören, als er am Mittwoch-Vormittag das Garagenrolltor des Overather Tafel-Hauses, Hauptstraße 98, schließen will.

Der Passant wusste: Jeden Mittwoch und Freitag werden auf dem Hof des Tafelhauses von 11 bis 13 Uhr die „Kunden“ eingelassen, Leute, die Unterstützung nach Hartz IV oder SGB 2 bekommen oder ein geringes Einkommen haben.

Für sie beginnt um 11.00 Uhr der offizielle Ausgabe-Betrieb, bei dem sie Lebensmittel abholen, die völlig in Ordnung sind, aber von den Geschäften abgegeben werden, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum kurz bevorsteht oder ein anderer äußerlicher Grund ihren Verkauf erschwert.

Was der Passant nicht wusste: Der Fahrer hatte mit seinen Team-Kollegen schon drei Stunden Arbeit hinter sich. Vor der Ausgabe der Lebensmittel ist nämlich eine Menge zu tun, und das jede Woche von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Das Tafel-Team hat sich dazu in Arbeitsgruppen aufgeteilt.

Der Fahrdienst holt unter der Leitung von Rolf Augstein am Montag (10-14 Uhr) und Mittwoch-  und Freitag-Vormittag (8-11 Uhr) die Lebensmittel mit dem gespendeten Ford-Transit-Kühlwagen und dem vor Kurzem erworbenen Transit von den Geschäften und Tankstellen ab. Bald füllen sich die Regale der Kühlzelle und des SortiertischAusgaberaumes mit Lebensmitteln der abgabefreudigen Overather Supermärkte und anderer Geschäfte.

Beim Ausladen helfen schon Mitglieder der Sortiergruppe. Deren eigentliche Aufgabe ist es, koordiniert von Nathalie Lawrenz die eingetroffenen Waren zu überprüfen und die Spreu vom Weizen zu trennen. Dies tun sie (auch schon am Dienstag) auf zwei großen Tischen im großen Ausgabe -Raum. Vom Gemüse werden welke Teile entfernt, Ungenießbares kommt in den Abfall. Ob das viel oder wenig ist, hängt davon ab, ob die Geschäfte schon vorher auswählen lassen.

Die einwandfreien Lebensmittel werden nun gleich im Ausgaberaum in die Regale eingeräumt. Dort sieht es schließlich wie in einem riesigen sauber und gut geführten Tante-Emma-Laden aus. Ein äußerst vielfältiges Sortiment erwartet die Abholenden, die im Rahmen der Anzahl ihrer Haushaltsmitglieder auswählen dürfen.Café

Endlich ist es 11.00 Uhr. Vor der Türe haben sich schon viele Abholer gesammelt. Sie haben die Ausweis-Nummern, die für die erste Abgabe-Stunde vorgesehen waren, um eine Überfüllung der Räume zu vermeiden.

Eine Stunde später erscheint die nächste Kunden-Gruppe. Alle begeben sich zunächst in den Warte- und Café-Raum, wo sie ihre Reihenfolge-Nummern erhalten und warten, bis ihre Nummer über den Lautsprecher aufgerufen wird und sie ihre Lebensmittel abholen können. Die Café-Gruppe unter Leitung von Marion Dömkes-Becker versorgt derweil alle mit Kaffee und Kuchen und die Zeit wird genutzt, um Gespräche zu führen und Menschen mit speziellen Problemen zu beraten. Dazu begeben sich ggf. Tafel -Team-Mitglieder an die Tische der Wartenden.

Dann gehen diese in den Ausgabe-Raum, geben dem Mitarbeiter vom Kundenverwaltungs-Team am PC ihre Nummer und zeigen ihm ihren Kundenausweis, damit er ihre Abholberechtigung (Bescheinigung des Sozialamtes o.ä.) überprüfen kann. Wer noch keinen Kunden-Ausweis hat, geht ins Büro, legt seine Berechtigungs-Belege vor, wird in der Datenbank registriert und erhält seinen Ausweis. Außerdem bezahlen alle den symbolischen Betrag von einem Euro pro Ausweis.

Nun werden sie von den Frauen aus dem Ausgabe-Team (Leitung Hildegard Schönenborn) abgeholt und durch den Raum begleitet, in dem sie so viele Lebensmittel aussuchen dürfen, wie es der Mitgliederzahl ihres Haushaltes entspricht. Lebensmittel, die besonders viel geliefert wurden, werden allen Kunden zur Selbstbedienung auf die Terrasse gestellt, und die Behälter leeren sich schnell. 

Als alle Abholenden das Tafel-Haus verlassen haben, werden vom Aufräum-Team die Reste gesammelt, die von einem Schäfer und einem Bauern aus der Umgebung als Futter für die Tiere abgeholt werden. Kartons sind nun platt zu drücken, damit sie zur Abfallverwertung gebracht werden können. Die Räume werden geputzt. Endlich ist um ca. 14 Uhr Feierabend und alle atmen auf.

Es sind oft anstrengende Stunden, aber alle sind mit dieser Arbeit zufrieden.    (Dieter Matthias)

(Zum neuesten Stand der Entwicklung: Siehe Chronik undStatistik)

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